Viele der zur Zeit alltäglichen Funktechniken und
Übertragungsverfahren gab es damals noch nicht. Als Vorläufer der
heute so geläufigen digitalen Übertragungsarten wurde
lediglich CW (Telegrafie) und in kleinem Umfang RTTY (Funkfernschreiben)
praktiziert. Der heute fast in jeder Funkbude stehende PC war noch rund
10 Jahre vor seiner "Erfindung". Wo vereinzelt bereits Rechner
oder Rechnerbausteine verwendet wurden, waren sie gegenüber dem
heutigen PCs von minimaler Leistungsfähigkeit. Die heute übliche
Prozessorsteuerung von Funkgeräten war noch undenkbar. Die Erfindung
des Transistors lag bereits über 20 Jahre zurück. Er war
vor allem beim Selbstbau von elektronischen Schaltungen beliebt. Es war
die hohe Zeit der "Germanen", die Siliziumtechnik wuchs erst
aus den Kinderschuhen heraus. Der Bastler plagte sich mit instabilen
Arbeitspunkten, Wärmeempfindlichkeit, Leistungseinschränkung
und Grenzfrequenzen. Leistungs- und HF-Transistoren waren teuer und
'starben' häufig sang- und klanglos. Jeder HF-Bastler sammelte
ausgesuchte Exemplare mit hoher Grenzfrequenz. Es gab bereits integrierte
Hybridschaltungen mit wenigen Elementen bzw. einfachen Funktionen wie
NF-Verstärker, ZF-Verstärker. Der Begriff der sogenannten
eisenlosen NF-Endstufe lag hoch im Kurs. Die ersten Feldeffekttransistoren
kamen zur Anwendung.
Die heute so selbstverständliche Frequenzkonstanz von VFO-einstellbaren
Funkgeräten, z.B. zum sicheren Einhalten der Bandgrenzen, war nicht
gegeben. Auf den Kurzwellenbändern wurden dafür noch
regelmäßig Eichsendungen ausgestrahlt.
Auf den Kurzwellenbändern konkurrierte die aufstrebende
Modulationsart SSB mit der bewährten AM. Die Nutzung des 2m-Bandes
nahm zu. Auch im Mobilbetrieb waren VFO-Abstimmung oder
Quarz-Kanalgeräte mit Röhren-Endstufen üblich; die
Kanalrasterung im 2m-Band lag noch bei 50 kHz. Vielleicht wurde bereits
über Relais im 2m-Band nachgedacht - die heute für den Mobilisten überall erreichbaren Relais gab es noch nicht. Man kannte noch nicht ihren Nutzen, aber auch nicht den Ärger, den die Relais später mit sich gebracht haben.
Schon damals wurden die ersten EME-Verbindungen (Erde-Mond-Erde) auf
2m getätigt. Einige Gruppen pflegten bereits Verbindungen auf dem
23cm-Band. Die Rekorde, auf immer höherfrequenten Bändern
Verbindung mit neuen Ländern aufzubauen, wuchsen gerade aus den
Anfängen heraus.
Die Erkenntnis der höheren Effektivität der SSB-Modulation
und die hohe Sprachqualität der Frequenzmodulation auf 2m (und
beginnend auf 70cm) markierten eine Trendwende im Amateurfunk: SSB- und
UKW-Technik stellten so hohe Anforderungen an den Aufbau und die
Meßtechnik, daß der vorher sehr stark verbreitete Selbstbau
von Empfängern und Sendern immer mehr zugunsten der
'Steckdosen-Betriebstechnik' zurückging.
Franz A. Schneider, DJ1NW